Veröffentlicht in Wunden & Narben

Brandmal

Hinweis: Dieser Text thematisiert sexuelle Gewalt und Selbstverletzung. Bitte lies ihn nur, wenn du mit solchen Themen umgehen kannst und dich gerade stabil genug fühlst.

Das Wasser war glühend heiß. Es prasselte auf meine Haut, brannte sich in mich hinein. Aber ich fühlte nichts. Nichts außer deinen Händen. Sie waren überall – auf meiner Brust, meinen Oberschenkeln, in meinem Gesicht. Meine Augen füllten sich mit Tränen, alles, was ich sah, war verschwommen. Und doch schrubbte ich, immer weiter, immer härter. Bis meine Haut aufriss, bis mein ganzer Körper voller Wunden war. Ich wollte dich von mir abwaschen. Dich aus mir kratzen. Aber du klebtest an mir, wie ein Schatten, wie eine zweite Haut.  

Dann fühlte ich es. Das kochend heiße Wasser, verbrannte mich. Ich stand in Flammen. Aber deine Hände – sie blieben. Genauso wie die Angst. Genauso wie die Hilflosigkeit. Und trotzdem hörte ich nicht auf, meine Haut blutig zu kratzen. Es brachte nichts. Nichts konnte dich vertreiben. Es gab nur noch diesen einen Gedanken: vergessen. Nicht weil ich nicht leben wollte, sondern weil mir das Leben genommen wurde. Nicht auf einmal. Sondern Stück für Stück. 

Ich war ein Kind und du warfst mich ins Feuer. Ohne Erbarmen. Ohne Reue. Hauptsache, deine Lust war gestillt. 

Die Jahre sind vergangen. Doch noch immer spüre ich dich. Deine Hände. Es ist wie ein Fluch, der kein Ende kennt. Sag mir – war es das wert? Hattest du Spaß? 

Veröffentlicht in Emotional, Nachklang

Deine Wärme

Die Fähigkeit zu lieben ist ein Geschenk, aber falsch zu lieben ist ein Fluch. Liebe bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren oder die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken, sondern Vertrauen, Stärke und Nähe. Manchmal fühlt es sich an wie ein Geschenk Gottes, manchmal wie etwas, das einen langsam verbrennt – wie die Sonne, die wärmt, aber auch Kraft rauben kann. 

Vielleicht habe ich das alles erst durch dich verstanden. Ich weiß noch genau, wie sich deine Liebe anfühlte. Sie war so warm und zärtlich, so vertraut, dass ich mich darin verlieren konnte. Wenn du mich mit diesen ehrlichen, schokobraunen Augen angeschaut hast, verschwand alles andere und für einen Moment gab es nur noch uns zwei. Jede noch so kleine Berührung hat etwas in mir ausgelöst: ein Feuerwerk, das sich durch meinen ganzen Körper zog, und von dem ich glaubte, es würde niemals aufhören.  

Wir waren so unterschiedlich, von Kopf bis Fuß, und genau das habe ich an uns geliebt. Du hast mir deine Sicht des Lebens gezeigt und ich dir meine. Mich hat fasziniert, wie anders du Dinge gesehen und gefühlt hast. Mit dir hat sich alles leicht angefühlt, ehrlich und richtig, so als müsste ich mich nicht verstellen oder erklären. Du hast eine Wärme ausgestrahlt, die mich getragen hat, und ich vermisse diese Wärme mehr, als ich manchmal zugeben möchte. Tagsüber und in den stillen Nächten. 

Ich verstehe bis heute nicht, wie du das alles aufgeben konntest. Wegen eines Kusses, wegen eines Mädchens. Immer wieder frage ich mich, was sie hatte, das ich nicht habe, oder ob du vielleicht nie so gefühlt hast wie ich. Für mich hat es sich echt angefühlt, so unglaublich aufrichtig und tief, dass es jetzt weh tut, daran zu zweifeln. War das alles nur eine Illusion, nur ein Spiel, das ich ernster genommen habe als du? Ich habe so viele Fragen und ringe nach Antworten, obwohl ich weiß, dass ich sie nie bekommen werde. Trotzdem kann ich nicht loslassen. Vielleicht weil ein Teil von mir immer noch an diese Wärme glaubt, an das, was wir waren oder zumindest hätten sein können. Ich vermisse dich. Und ich vermisse deine Wärme.