Trauer lässt sich kaum in Worte fassen. Sie fühlt sich an wie eine unendliche Sehnsucht nach jemandem, von dem du weißt, dass er niemals zurückkehren wird. Es ist die Erkenntnis, dass ein geliebter Mensch einfach aufhört zu existieren. Nicht nur heute. Nicht nur morgen. Für immer. Es gibt kein Wiedersehen. Kein letztes Gespräch. Nur ein endgültiges Ende. Genau das macht Trauer so grausam. Sie sitzt tiefer als jedes andere Gefühl. Sie findet nicht nur in deinem Kopf statt – du spürst sie in deinem ganzen Körper. Ein Schmerz, der tief in deinem Herzen beginnt und sich langsam ausbreitet, bis jeder Atemzug daran erinnert, dass jemand fehlt.
„Trauer“ weiterlesenSchlagwort: Erlebnis
Brandmal
Hinweis: Dieser Text thematisiert sexuelle Gewalt und Selbstverletzung. Bitte lies ihn nur, wenn du mit solchen Themen umgehen kannst und dich gerade stabil genug fühlst.
Das Wasser war glühend heiß. Es prasselte auf meine Haut, brannte sich in mich hinein. Aber ich fühlte nichts. Nichts außer deinen Händen. Sie waren überall – auf meiner Brust, meinen Oberschenkeln, in meinem Gesicht. Meine Augen füllten sich mit Tränen, alles, was ich sah, war verschwommen. Und doch schrubbte ich, immer weiter, immer härter. Bis meine Haut aufriss, bis mein ganzer Körper voller Wunden war. Ich wollte dich von mir abwaschen. Dich aus mir kratzen. Aber du klebtest an mir, wie ein Schatten, wie eine zweite Haut.
Dann fühlte ich es. Das kochend heiße Wasser, verbrannte mich. Ich stand in Flammen. Aber deine Hände – sie blieben. Genauso wie die Angst. Genauso wie die Hilflosigkeit. Und trotzdem hörte ich nicht auf, meine Haut blutig zu kratzen. Es brachte nichts. Nichts konnte dich vertreiben. Es gab nur noch diesen einen Gedanken: vergessen. Nicht weil ich nicht leben wollte, sondern weil mir das Leben genommen wurde. Nicht auf einmal. Sondern Stück für Stück.
Ich war ein Kind und du warfst mich ins Feuer. Ohne Erbarmen. Ohne Reue. Hauptsache, deine Lust war gestillt.
Die Jahre sind vergangen. Doch noch immer spüre ich dich. Deine Hände. Es ist wie ein Fluch, der kein Ende kennt. Sag mir – war es das wert? Hattest du Spaß?
Du wirst deinen Weg gehen
Liebe Julia,
es ist großartig, dass du dich entschieden hast, einen Blog zu starten, um deine schmerzhaften Erlebnisse zu verarbeiten. Wir haben schon darüber gesprochen: Schreiben kann der Seele guttun und hilft, Dinge klarer zu sehen und besser zu verstehen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Freiheit – denn frei bist du erst, wenn du deine Last ablegst.
Du hast gesagt, dass es dir wichtig ist, mit dem Geschehenen leben zu können. Ja, vergessen wirst du es nie, aber es soll nicht deine Seele beherrschen oder dich kaputt machen. Vor dir liegt noch ein ganzes Leben, gefüllt mit vielen wunderbaren, aber auch mit traurigen (ohne die geht es ja nicht) Momenten.
Ich bin sicher: Du wirst deinen Weg meistern.
Alles Liebe
deine Oma