Aus der Reihe „Geschichten der Familie Müller“
Diese Geschichte habe ich 2018 mit meiner Oma zusammen geschrieben. Sie hat es in eine Zeitung und in die Geschichtensammlung „Überall ist irgendwo“ geschafft. Das war der Auftakt der Reihe.
Igor spielt im Garten mit seinem Freund Alex. Sie hüpfen auf dem Trampolin, lachen und haben viel Spaß. Dann passiert das Unglück. Igor verliert plötzlich das Bewusstsein und fällt um. Zutiefst erschrocken rennt Alex ins Haus und holt Natascha, Igors Mutter. Auch sie ist geschockt, aber sie weiß, was sie zu tun hat. Sie dreht Igor auf die Seite, sodass er besser atmen kann, und ruft den Notdienst an. Der Krankenwagen ist schnell da. Igor wird auf die Trage gelegt und die Trage hineingeschoben. Der Krankenwagen fährt sofort mit Blaulicht und Sirene los.
Inzwischen kommt Igor zu sich, nimmt aber kaum wahr, was um ihn herum geschieht. Er fühlt sich ein bisschen wie im Traum, weiß aber, dass Mama neben ihm sitzt und seine Hand hält. Nach ein paar Minuten sind sie auch schon am Krankenhaus angekommen und die Sanitäter bringen Igor ins Untersuchungszimmer.
Als Igor ganz wach ist, sieht er an seinem Arm einen dünnen Schlauch, der zu einer Flasche führt. Die Flasche ist mit dem Hals nach unten an einem hohen Gestell angebracht. Igor fragt: „Was ist das?“
„Das ist eine Infusion, die leitet Flüssigkeit in deinen Körper, damit es dir besser geht“, antwortet Natascha, die an seinem Bett sitzt.
„Was ist mit mir passiert?“, will Igor wissen.
Mama erzählt ihm in knappen Worten, dass er ohnmächtig geworden sei und sich jetzt im Krankenhaus befände. „Alles wird gut“, versichert sie ihm.
Die Krankenschwester kommt herein und fragt lächelnd, wie es Igor geht. Igor lächelt zurück. „Gut.“
„Ich muss dir jetzt Blut abnehmen, danach kannst du aufstehen, wenn du möchtest.“
Anschließend kommen Ärzte in Igors Zimmer und reden mit Natascha. Zu Igor sagen sie, dass er bis Mitternacht aufbleiben und am nächsten Tag schon um halb fünf aufstehen muss, weil sein Kopf untersucht wird. Später kommt auch Papa ihn besuchen und sie spielen zu dritt so lange Brettspiele, bis Igor ins Bett gehen darf.
Am nächsten Morgen wird er ganz früh geweckt. Eine Weile darf er noch spielen, dann bekommt er Tropfen, die ihn sehr müde machen. In einem Untersuchungsraum wird dann sein Kopf mit vielen Elektroden an ein Gerät angeschlossen. Das tut überhaupt nicht weh, und während der Untersuchung schläft er sogar.
Er schläft auch noch nach der Untersuchung in seinem Zimmer weiter.
Nach dem Mittagessen soll Igors Herz untersucht werden. Das nennt sich Ultraschall und tut ebenso kein bisschen weh. Igor ist ganz fasziniert, als er sein pulsierendes Herz auf dem Monitor sieht. Er fragt Mama, wie das funktioniert, aber Mama sagt, dass das ziemlich kompliziert ist, sie weiß nur, dass das Gerät Wellen erzeugt, die bis zum Herz und wieder zurückgeleitet werden. So entsteht ein Bild.
Eine ganze Woche bleibt Igor im Krankenhaus. Es soll ja herausgefunden werden, was für eine Krankheit der Junge hat, und Medikamente festgelegt, die er nehmen muss, damit er keine Anfälle mehr bekommt. Das Ergebnis – in der Medizin heißt es Diagnose – ist Igor jetzt auch bekannt. Er hat Epilepsie, aber die Ärzte sind guter Hoffnung, dass sie eines Tages ausheilt, vielleicht schon in der Pubertät. Und bis dahin ist es ja nicht mehr lange, sagt sich Igor selbst.
In der Kinderklinik fühlt er sich wohl, die Ärzte und Krankenschwestern sorgen sich um ihn, Mama und Papa besuchen ihn, sooft sie können, und manchmal bringen sie seine kleine Schwester Anna mit.
Als er wieder daheim ist, verkündet Igor seinen Eltern ganz feierlich, dass er unbedingt Kinderarzt werden möchte. Deswegen will er nach der Grundschule aufs Gymnasium gehen und fleißig lernen, damit er gute Noten bekommt. Die sind nämlich für das Medizinstudium sehr wichtig.
Geschrieben 2018, veröffentlicht in der Anthologie „Überall ist irgendwo“.

Beitragsbild von Wolfgang Claussen auf Pixabay

Danke für diese schöne kleine Geschichte.
Sie hat mich an meine eigene jüngere Geschichte erinnert, welche leider nicht so positiv geendet ist. Und auch wenn es manchmal schmerzlich ist, erinnert zu werden, so ist es doch gut, die eigenen Erfahrungen mit denen anderer abgleichen zu können und zu erleben, dass das Leben viel bunter und schöner ist, als man es selbst in seiner einsamen Erinnerung abgespeichert hat.
LikeGefällt 2 Personen
Lieber Ankordanz,
danke für deinen Kommentar!
Ja, solche Momente machen bewusst, dass das Leben nicht nur aus den Schatten der Vergangenheit besteht, sondern auch aus Farben. Letztendlich war es für mich eine Erfahrung, die auch Positives hinterlassen hat.
Viele Grüße
Julia
LikeGefällt 1 Person